Eigentlich ist der heutige Donnerstag ein Markttag wie jeder andere. Wäre da nicht die Stadtverordnetenversammlung, in der es heute, mal wieder, um Zukunft und Vergangenheit des amtierenden Perleberger Bürgermeister Fred Fischer gehen wird. Kürzlich wurde durch dessen ehemaligen Vorgesetzten, den ehemaligen NVA-Kompaniechef Uwe Meißelbach, der unwiderlegbare Beweis erbracht, dass Fischer wissentlich Stasi-IM gewesen war, was er zuvor abstritt.
Aber welchen Anklang findet Fischer nach dieser Offenbarung noch? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben wir uns auf den Marktplatz begeben und dort eine kleine Umfrage gestartet.
Interessant ist, dass keiner der Befragten seinen Namen preis geben wollte oder gar ein Foto von sich in der Zeitung/ im Blog sehen wollte.
Für die meisten befragten steht aber fest, dass Fischers Lüge unverzeihlich ist. So zeigte sich etwa eine ältere Dame empört über Fischers Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Aus ihrer Sicht ist es nicht schlimm, dass er bei der Stasi war, solange er es offen zugibt. Für eine andere Bürgerin ist es unverständlich, dass Fischer jetzt aus dem Amt scheiden soll: “Er hat doch seine Arbeit gut getan und deshalb sollte er auf jeden Fall im Amt bleiben.”
Wieder andere Stimmen sehen gar einen Zusammenhang zwischen der Entnazifizierung der 50iger Jahre und dem heutigen Umgang mit der Stasi. Nach dem Motto: Das hat damals schon nicht funktioniert, warum sollte das heutzutage anders sein.
Ein älterer Bürger war dann auch der Meinung, dass Fischer nicht das Problem sei, sondern das politische System insgesamt. Dieses begünstige karrierefixierte Politiker, die nur zum eigenen Wohl handeln.
Es lässt sich zusammenfassen, dass der Rückhalt für Fischer insgesamt gesunken ist, seitdem sich Uwe Meißelbach geäußert hat – auch wenn dies nicht repräsentativ ist. Stefan Reisener

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Ich denke, dass die ganze Sache Bürgermeister durch die MAZ geschürt wird. In dieser Zeitung werden nur die Artikel gegen unseren Bürgermeister Fred Fischer veröffentlicht. Die Leute, die auf dem Marktplatz gestern vor dem Roland standen suchen überall ihre Aufmerksam zu bekommen. Egal, was es ist. Gegen etwas sein ist zurzeit modern und man macht einfach mit. Für mich ist es eine Hexenjagd.
Unser Bürgermeister Fred Fischer wurde von der Bevölkerung gewählt und die Wähler wussten, dass er früher als Offizier bei der NVA tätig war. Für die Bevölkerung war der Beruf eines Offiziers ein angesehener und ehrenhafter Beruf in der DDR. Für mich ist es selbstverständlich, dass die Offiziere der NVA sehr staatsbezogen arbeiteten mussten und auch Kontakte mit der Staatssicherheit hatten. Man kam schneller dazu, als man es vielleicht für sich vermutet hat.
Schon bei der Wahl gab es damals große Auseinandersetzungen mit den Gegenkandidaten. Schlimm ist nur, dass einige von ihnen noch heute im Rathaus arbeiten, was vermutlich nicht so gut für das Arbeitsklima ist.
Für mich ist die ganze Geschichte Mobbing in der höchsten Form.
Ähnlich wie in Perleberg verlief die Bürgermeisterwahl in Schönberg (Mecklenburg bei Grevesmühlen). Hier hat der Bürgermeister, auch ehemaliger Offizier der NVA, das Gerichtsverfahren gewonnen. Diesen Erfolg gönne ich auch unserem Bürgermeister. Die ganze Angelegenheit ist der Stadt sehr teuer geworden (Nachzahlungen für einige Jahre).
Ich wünsche dem Bürgermeister viel Glück und hoffe, dass er uns als Bürgermeister erhalten bleibt, obwohl er den Perleberger Marktplatz durch die dort bestehende Parkordnung verschandelt hat. Wer setzt sich heute noch gern zwischen die dort parkenden Autos, die einem schon fast über die Beine fahren.
Die derzeit in Perleberg stattfindende Kampagne gegen Bürgermeister Fischer ähnelt in fataler Weise der, die im vorigen Jahr in Schönberg/ MVP zu Gunsten des stasibelasteten Bürgermeisters Herrn Heinze ein für dessen Gegner unrühmliches Ende fand. Deutlich zu erkennen war in Schönberg ähnlich wie in Perleberg, dass die Stadtverordneten die Mehrheit der Bürger auch nicht hinter sich hatten. Was aber viel fragwürdiger erscheint ist, dass sich die These von Peter-Michael Diestel, nachzulesen in „Aus dem Leben eines Taugenichts“, wieder einmal zu bestätigen scheint. „Es hat – mit Verlaub – manchmal den Anschein, als hätte man an die Ostdeutschen kleine Schwerter verteilt, mit denen sie sich nun in einer Arena zur Unterhaltung von Westdeutschen einen Schaukampf liefern. Einen Kampf, der übrigens in der Regel im Osten keinen Gewinner hat und der zumeist einem Westler mehr zu einem Job im Osten verhilft, einen störenden Ost-Politiker mehr demontiert oder zumindest ins Abseits befördert und der so wunderbar von den wirklichen Problemen im Land ablenkt. Ich will es mal ganz zynisch sagen: Manchmal kommt mir die Gauck-Birthler-Behörde wie eine ABM-Firma für Westler vor, für die sich bürgerbewegte Ostdeutsche in verstaubten Stasi-Aktenregalen die Finger schmutzig machen. Mit seriöser Geschichtsaufarbeitung hat das nichts zu tun. Dieser Irrglaube an den Wahrheitsgehalt der Stasi-Akten ist aberwitzig: Auf der einen Seite weiß doch jeder, dass Geheimdienstler professionelle Lügner sind, und auf der anderen Seite werden diese Lügen dann nachträglich zur Wahrheit erhoben, wenn es politisch opportun ist.“ (Seite 104/105 „Diestel Aus dem Leben eines Taugenichts?“)
P.S..Wo sind eigentlich die heute früh noch lesbaren Kommentare geblieben? Passten die nicht ins Bild?
Die letzten beiden Sätze bitte entfernen, hab’ mich in der Seite vertan.