Er hat sich einen Blick für das bewahrt, was in seiner Heimat passiert: Der Ex-Perleberger Mario Zander äußert sich in einem Gastbeitrag für die MAZ über die Vorgänge um den Erhalt von „Hoffmanns Hotel“ und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. In diesem Blog war er übrigens schon einmal zu Wort gekommen: In unserer Reihe “Die Heimat im Rückspiegel” über Prignitzer, die die Region verlassen haben und ihre heutige Sicht darauf schildern. Der jetzige Beitrag ist übrigens am Samstag, 28. Januar, auch in der MAZ-Lokalausgabe “Prignitz-Kurier” zu lesen gewesen.
Seine goldenen Zeiten waren längst vorbei. Jedenfalls waren sie in den vergangenen Jahrzehnten kaum noch zu erahnen, wenn man einen Blick zu ihm herüber warf. Still war es geworden, und mit grauen Gardinen döste es am Hohen Ende vor sich hin.
Dann brannte Hoffmanns Hotel – an einem Sonntag im Januar 2010, pünktlich zum Mittagessen, lichterloh. Das Feuer verschlang den größten Teil des Dachstuhls. Dann, spät in der Nacht, nachdem die Feuerwehr abgerückt war, kehrten die Flammen zurück und holten sich noch den Saal. Was blieb, war ein Millionenschaden, für den die Versicherung nicht zahlte.
Nach einigen Monaten, im September 2010, gab der Eigentümer die Hoffnungen auf und verkaufte die Ruine an den bekannten Architekturkritiker und Stadtplaner Dieter Hoffmann-Axthelm. Der hatte genügend Hoffnungen, klare Vorstellungen und Ideale: Das Gebäude ist ein städtebaulich-historischer Ankerpunkt, der unbedingt geschützt werden muss. Zudem sollte das ehemalige Hotel Herz und Seele behalten dürfen und viel Raum für unterschiedlichste kulturelle Nutzungen bieten. Auf keinen Fall käme eine staatlich geförderte Totalsanierung mit Auskernung und Mono-Nutzung in Frage.
Eine feine, ja geradezu romantische Idee, die Funken der Begeisterung unter den Perlebergern schlagen würde. Das glaubte nicht nur Hoffmann-Axthelm, sondern auch der Perleberger Altstadt e.V. Der hatte auch den Kontakt zwischen dem Eigentümer und Hoffmann-Axthelm hergestellt und zum Kauf des Hotels angeregt. Auch hatte der Verein zugesichert, provisorisch das Dach abzudichten, um so das Haus vor Nässe zu schützen.
Bis Ende 2010 müsste es geschehen, sonst gäbe es keine Rettung mehr. Von Anfang an ging Hoffmann-Axthelm von einer starken Bürger- und Eigeninitiative aus. Ohne sie würde eine längerfristige Sanierung und kulturelle Entwicklung des Hotels nicht zu bewältigen sein.
Dies lag auf der Hand. Ebenso die simple Rechnung, dass sich – ob mit oder ohne Förderung – Profit nicht machen ließ. Nicht ohne Grund war Hoffmann-Axthelm einziger Kaufinteressent. Als der Altstadt e.V. auch die weiteren Sanierungsarbeiten zusicherte, kaufte Hoffmann-Axthelm das Hotel im September 2010.
Die Monate vergingen. Ins Hotel kamen Künstler und luden zu Ausstellungen ein. Der Altstadt e.V. veranstaltete Flohmärkte, Spendenaktionen und mehr. Aber es regnete auch. Ausreichend. Und auf dem Dach flatterte die Sicherungsplane.
In der Stadt machte sich Unmut breit. Es dauerte nicht lang und bald wußten es alle: Der Altstadt e.V. hatte sich verhoben. Es war ihm bislang nicht gelungen, das Dach abzudichten. Das Vertrauen in den Verein und seine Versprechen war gebrochen.
Bis zum Sommer 2011 nahm der Druck auf den Verein und Hoffmann-Axthelm spürbar zu. Mit Presse-Chor tönte es aus dem Rathaus: Man solle wieder verkaufen. Häuser, die auf die Straße fallen, kann keiner wollen. Ein Schandfleck das Ganze. Auch säße ein früherer Kauf-Interessent quasi schon am Verhandlungstisch – bereit, alles zu richten.
Deus ex machina?
Die Bauaufsicht soll mehrmals im Hotel vorbeigeschaut haben. Auch die ARGE hatte ihre Gründe, die ABM-Kräfte des Altstadt e.V. abzuziehen und so die Sanierungsarbeiten des Vereins weiter einzudämmen. Die Sommer-Offensive schien an den Angeklagten abzuperlen. Jedenfalls blieb es still.
Keine Presse. Keine Nachfragen. Kein offener Dialog. Nichts. Stattdessen viel Gebrummel von allen Seiten. Auch die Frage, ob das Hotel nun durch Wassereintritt endgültig zerstört worden ist oder nicht, blieb offiziell ungeklärt. Die Künstler verließen im Herbst 2011 die Hotelbaustelle und zogen wieder ins Haus der Hoffmann-Axthelm-Stiftung auf dem Großen Markt. Vor dort aus organisierten sie weitere Stadtevents und luden die Perleberger zum Mitmachen ein. Stets aufs Neue. Bis heute.
Pioniere der Soziokultur, gefördert von der Kulturstiftung des Bundes. Der Altstadt e.V. setzte seine Spendenaktionen fort. Im Dezember 2011 fand wieder ein Basar im Haus der Hoffmann-Axthelm-Stiftung statt. Bisher haben gut einhundert Perleberger gespendet.
Januar 2012. Zwei Jahre ist es nun her, als das Hotel brannte. Jubiläum. Zeit für Glückwünsche. Und ein Plädoyer: Natürlich, Perleberg braucht ein Projekt wie Hoffmanns Hotel – mit allen Ecken und Kanten.
An ihm kann sich endlich der Dialog entzünden, den die Stadt so nötig hat. Denn es stellt sich schon lang die Frage: Kann es noch einmal eine städtische Kultur in Perleberg geben? Oder weiter gefragt: Reichen Bürger- und Gemeinsinn noch aus, um ein echtes Stück Perleberg, wie das ehemalige Hotel, zu gestalten und mit Leben zu erfüllen? Ist das Bewußtsein groß genug für den Wert der eigenen Geschichte, Kunst und Kultur? Für die Bedeutung von Authentizität? Ja, sollte es darauf positive Antworten geben, dann wäre das der Grund, warum man eine kleine, abgelegene Stadt mit einer Perle vergleichen könnte.
Hoffmann-Axthelm hat für das Hotel eine Notsicherungsförderung beim Land beantragt. Er ist sehr optimistisch, dass sie bewilligt wird. Der Verfall des Gebäudes wäre damit gestoppt.
-Wie es nach der Notsicherung konkret weitergehen soll, ist offen. Für Gesprächsstoff ist also gesorgt, und der Gedanke, ins „Hotelgeschäft“ einzusteigen, ist prickelnder denn je. Cheers! Mario Zander, Berlin

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“Dann brannte Hoffmanns Hotel – an einem Sonntag im Januar 2010, pünktlich zum Mittagessen, lichterloh. Das Feuer verschlang den größten Teil des Dachstuhls. Dann, spät in der Nacht, nachdem die Feuerwehr abgerückt war, kehrten die Flammen zurück und holten sich noch den Saal”.
……Nur der Ordnung halber. Das ist so nicht ganz korrekt. Am Sonntag gab es lediglich einen Schornsteinbrand im Bereich der Wohnungen auf dem Hof…..ohne lichterlohe Flammen. Relativ weit vom Saal entfernt. Und der Brand verschlang am Sonntag auch nicht einen Teil des Dachstuhls….!!!!! Es ist allerdings nicht auszuschliessen, das der Balkem, der durch die Schornsteinwange ging nicht auch bis zum Saal reichte und somit den Brand übertrug. Das war jedoch für die Feuerwehr ohne Bauunterlagen nicht ohne weiteres erkennbar und bautechnisch ein folgenschwerer Fehler.
Stimmt, wir werden das herausnehmen und ändern.
Lieber Herr Schleich, es müßte in der MAZ dieser Tage eine Richtigstellung zum Brandverlauf erscheinen… Vielen Dank nochmals für die Infos!